7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2 – Regionale Narkose

In meinem Erfahrungsbericht Nr. 6 Teil 1 zum Karpaltunnelsyndrom habe ich aus meinem Erleben als Patient berichtet, wie ich die Vorbereitungen zur Operation wahrgenommen habe. Im heutigen siebten Bericht, erfahren Sie im Teil 2, wie es mit diesen vorbereitenden Maßnahmen weiter ging.


Während ich in dem kleinen Behandlungsraum vor dem Operationssaal auf den nächsten Akt in Sachen Karpaltunnelsyndrom wartete, fand ich es sehr interessant, den Ablauf in diesem Krankenhausbereich beobachten bzw. mithören zu können. Permanent lief verschiedenes Personal in blau oder weiß gekleidet herum, sprach immer sehr freundlich und einfühlsam mit den Patienten und erkundigte sich bei jedem einzelnen immer wieder nach dessen Wohlbefinden. Ich spreche an dieser Stelle sehr gerne ein dickes Lob an die Menschen aus, die ich dort „unten“ erleben durfte. Es geht dort für meine Begriffe sehr hektisch zu, aber scheinbar hat jeder seine Arbeit perfekt im Griff und schafft es auch noch, gute Stimmung und Gelassenheit zu verbreiten. Respekt!
Als sei dies nicht schon genug Herausforderung, hatten die Pfleger und Schwestern auch noch mit einer offenbar kürzlich neu angeschafften Software für diesen Bereich zu kämpfen. Amüsiert hörte ich zu, wie fantasievoll gerätselt wurde, wo man was eingeben muss, warum Masken nicht mehr auffindbar waren oder sich anders verhielten als erwartet.

Regionale Narkose

Nach relativ langer Wartezeit kam dann der Anästesist, der auch die Kanüle gelegt hatte und erklärte mir, dass er nun in meiner Achselhöhle den Nerv namens Plexus anhand von Stromimpulsen suchen würde und den Nerv dann mit einer Injektion betäuben würde. Ein Pfleger hielt meinen Arm nach oben angewickelt fest und der Arzt suchte zunächst manuell, also ohne strom, in meiner Achselhöhle nach dem Nerv. Nachdem er glaubte, er habe ihn gefunden, ließ er, nach Ankündigung, Strom fließen.

Ich hatte ein Kribbeln erwartet, aber der Effekt war überraschen anders. Verschiedene Stellen in meiner Hand und einzelne Finger zuckten plötzlich ohne das ich willentlich etwas dafür tat. Das hatte etwas von ferngesteuert werden. Ich fand es merkwürdig aber auch irgendwie lustig, wenn auch etwas schmerzhaft. Der Arzt allerdings war nicht zufrieden mit seinen Künsten und so wurde der Chefanästhesist dazu gerufen. Selbiger ging etwas beherzter an die Sache heran, was für mich hieß, dass es auch etwas schmerzhafter zuging. Schließlich war er aber mit einer Nervenfundstelle zufrieden und injizierte das Betäubungsmittel.

Anmerkung:
Bei der zweiten Operation, also der Operation der linken Hand, wurde diese Prozedur genauso, aber von einem anderen Arzt, durchgeführt. Dabei war das Suchen des richtigen Nerves mittels Stromimpuls wesentlich schmerzhafter, weil – so vermute ich – mit einer grösseren Strommenge gearbeitet wurde. Vorteil war aber, dass der richtige Nerv viel eindeutiger identifiziert werden konnte. Auch das Einspritzen des Betäubungsmittels war ziemlich schmerzhaft, weil der hohe Strom dabei auf dem Nerv beibehalten wurde und das Ganze nun mal einige Zeit dauert.
Diese etwas brutale Vorgehensweise zollte wohl dem Umstand Tribut, dass an diesem Tag ein extremer Personal-, Zeit- und Platzengpass im Operations-Bereich und auf der Intensivstation herrschte. Deshalb wollte der Arzt unbedingt vermeiden, dass eine Vollnarkose notwendig wird und wollte sichergehen, dass die regionale Anästhesie klappt. Das hat er mir auch vorher erklärt und mir war es natürlich recht. Dass es mit erhöhten Schmerzen einhergehen würde, sagte er nicht und das war wahrscheinlich auch gut so. Es waren ja nur ein paar Sekunden (und gefühlte Minuten).

Das Betäubungsmittel war gespritzt und am nun hieß es wieder warten. Ich wurde nach kurzer Zeit wieder in den großen Saal vor den Operationsräumen geschoben und harrte der Dinge, die da kommen mögen.

Im nächsten Teil Nr. 8 der Operationsvorbereitungen berichte ich über einen kleinen menschlichen Zwischenfall.


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6.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 1
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8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 mit Intermezzo

 

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