8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 – Intermezzo

Im vorigen Artikel habe ich über Vorbereitungen zur Karpaltunneloperation berichtet. Insbesondere ging es um die Anästhesie, also die Betäubung der zu operierenden Hand bzw. des betreffenden Armes. Im folgenden Artikel geht es weniger um die medizinischen Aspekte, sondern um ein kleines Intermezzo kurz vor der Operation.


Ich wurde vom kleinen Beobachtungsraum wieder zurück in den grossen Saal geschoben und ab und an kam der Anästesist vorbei und befragte mich zum Betäubungsempfinden. Langsam, sehr, sehr langsam wurden zuerst meine Finger taub, dann meine Hand, dann der ganze Unterarm und dann…
war meine Blase voll von der Kochsalzlösung, die ja per Tropf und Kanüle stetig in mich hinein lief. Inzwischen lag ich insgesamt schon ca. zwei Stunden in Warteposition und mir war klar, dass ich nicht in den Operationssaal gehen könnte ohne vorher noch auf der Toilette gewesen zu sein. Es war ja nicht absehbar, wie lange das insgesamt noch dauern würde, wenn wohl möglich auch noch eine Vollnarkose notwendig würde.

Also teilte ich dem Pfleger vom Dienst mein Bedürfnis mit. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass mein Bett direkt am Eingang zur Toilette stand. Ok, weiter weg, wäre auch nicht schlimm gewesen, ich konnte ja gehen, aber in welchem Zustand:
Duschhaube auf dem Kopf, ohne Brille, Totenhemd mehr recht als schlecht vor dem Bauch hängend, weisse Stützstrümpfe rechts bis zu Pobacke, links irgendwo zwischen Poback und Kniekehle hängend, in der linken Hand den Kochsalzbeutel, und ein rechter Arm, der nicht mehr mir gehörte und entsprechend völlig unkontrollierbar herumbaumelte. Das Ganze ohne Schuhe, denn die Hausschuhe werden selbstverständlich nicht mit zum OP gebracht.
Der Pfleger begleitete mich bis vor die Toilettenschüssel, klappte diese zuvorkommend hoch und ich glaube, er wollte mir auch noch bei den weiteren handwerklichen Verrichtungen helfen, aber ich bedankte mich und versicherte, dass ich den Rest alleine hin bekäme. Allerdings war es eine unerwartete Herausforderung, wenn man aufpassen muss, das der betäubte Arm nicht irgendwo anschlägt, im Türgriff oder am Klopapierabroller hängen bleibt. Es galt gleichzeitig, das Totenhemd irgendwie einhändig auf den Rücken zu schieben und es daran zu hindern, heimtückisch über die gelähmte Seite wieder nach vorne zu rutschen und sich wie ein Vorhang vor die geplante Strahlrichtung zu positionieren. Während ich noch mit dem Hemd beschäftigt war, bemerkte ich, dass ich mir den Schlauch vom Kochsalzbeutel, der inzwischen am dem Boden lag, um die Beine gewickelt hatte und im Begriff war, die Kanüle aus der Hand zu ziehen, weil ich fast auf den Beutel getreten wäre.
Nach dem ich den Schlauch entwirrt hatte, aber der Hemdvorhang einfach nicht auf dem Rücken bleiben wollte, entschloss ich mich, die Angelegenheit im Sitzen zu erledigen. Das führte erstmal zu keinen weiteren Schwierigkeiten mehr. Allerdings stellte sich heraus, dass man mit nur einer Hand ganz schlecht eine Unterhose wieder heraufziehen kann und auch Händewaschen ist etwas umständlich.

In solchen Situationen merkt man, wie man es für selbstverständlich hält, dass der Körper hundertprozentig funktioniert und wie hilflos man wird, wenn das mal nicht der Fall ist.

Wie auch immer, nach dieser Aktion half mir der Pfleger wieder ins Bett und wenige Minuten später wurde ich auch schon zur Operation abgerufen.

Über diese Operation des Karpaltunnelsyndroms werde ich im kommenden, neunten Teil meines Berichtes Auskunft geben.


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9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose

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