9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose

Im letzten Artikel habe ich über einen kleinen menschlichen Zwischenfall kurz vor Beginn der Operation des Karpaltunnelsyndroms berichtet. Heute nun schildere ich, wie sich die Operation aus meiner Sicht als Patient abgespielt hat.

Die Toilettenaktion war perfektes timing, denn kaum lag ich wieder im Bett, kam auch der Startschuss zur OP. Ich wurde erneut in einen anderen Raum geschoben. Dort musste ich mein Bett verlassen und auf den daneben stehenden Operationstisch klettert. Das war nicht so einfach, weil der Operationstisch fast hüfthoch war und weil ich mich auf dem rechten, betäubten Arm nicht abstützen konnte. Aber mit einigen helfenden Händen und einer von einer Schwester erklärten Klettertechnik, gelang es letztendlich. Der Operationstisch stellte sich als derart unbequem heraus, dass ich augenblicklich Rückenschmerzen bekam, obwohl ich damit sonst kaum Probleme habe.
Nun wurde ich in den eigentlichen Operationsraum geschoben und wieder an den bereits bekannten Geräten angeschlossen. Zu meiner Linken nahm der Anästhesist platzt und an meinem rechten Arm machten sich zwei Chirurgen zu schaffen. Hand und Unterarm wurden reichlich mit Desinfektionsmittel (sehr orange!) gebadet.
Als nächstes ging es um die Fragestellung, ob die Betäubung ausreicht. Ich konnte alle Berührungen sehr deutlich spüren. Offenbar ist es aber ganz normal, dass man trotz Betäubung eine Berührungsempfindlichkeit hat.

Allerdings spürte ich auch die Schmerztests, die gemacht wurden als leichtes Picksen und das war wohl leider nicht gut. Obwohl ich heldenhaft erklärte, dass ich es aushalten würde, wenn es nicht schlimmer wird, waren die Ärzte der Meinung, dass es doch nicht ohne eine Vollnarkose gehen würde. Sie erklärten mir, wie bereits beim Narkosevorgespräch, dass sie nun eine Vollnarkose einleiten werden und dass dann zur Beatmung ein sogenannter Tubus in Mund und Hals eingeführt wird. Das kann später nach dem Aufwachen zu leichten Halsschmerzen und Heiserkeit führen.

Das Narkosemittel wurde also durch die bereits gelegte Kanüle der anderen Hand eingeleitet. Man verspürt ein merkwürdiges Kribbeln im Kopf, merkt wie die Sinne schwinden und in wenigen Sekunden ist man weg.

Meine zweite Operation (linke Hand) des Karpaltunnelsyndroms, die ich ca. sechs Monate später im gleichen Krankenhaus durchführen ließ, verlief bis zu diesem Moment etwas gleich. Dieses Mal allerdings reichte die regionale Betäubung aus und ich wurde ohne Vollnarkose operiert. Hierüber berichte ich in Kapitel 10.

 

Aufwachen!

Mexikoohoohoo, Mexiko, Mexikoooo!
„Das kenne ich, das sind die Les Humphries Singers, irgendwann Anfang der 80iger Jahre…“

Die Sonne schien mir ins Gesicht, ich fühlte mich ungewöhlich gemütlich und zufrieden und freute mich über die Musik. Dann fiel mein Blick auf eine Uhr an der Wand mir gegenüber. Kurz vor zwölf Uhr. Überraschend beugte sich eine Frau über mich und fragte, ob es mir übel sei oder ob ich Schmerzen habe. In diesem Moment wurde ich hellwach und mir war klar, dass ich mich auf der Intensivstation des Krankenhauses befand. Schmerzen hatte ich, aber nur im Rücken von dem harten Operationstisch. Meine Hand, die dick verbunden war, schmerzte überhaupt nicht. Übel war mir auch nicht, aber ich hatte einen Mordshunger. Als könne die Schwester Gedanken lesen, sagt Sie mir, dass ich mich anziehen (meine Sachen waren bereits da) und hinauf in mein Zimmer gehen könne. Das Essen sei schon da und ich solle viel trinken und etwas herumlaufen.

Dritter Verband nach Operation des Karpaltunnelsyndroms (10 Tage nach der OP)

Der erste Verbandswechsel findet am Tag nach der Operation des Karpaltunnelsyndroms statt. Danach ca. alle 5 Tage. Der Verband dient hauptsächlich als Schmutz- und Stoßschutz.


Ich fühlte mich wirklich fit und tat wie mir geheissen. Mein Zimmernachbar war inzwischen auch zur Operation gebracht worden, sodass ich den Nachmittag mit Lesen und Spazieren gehen verbrachte. Auf meinem Betttisch fand ich die angekündigten Medikamente, die ich weisungsgemäß einnahm.

An diesem Tag wurde ich noch nicht entlassen. Das hätte auch keinen Sinn gemacht, weil routinemässig am nächsten Morgen die Nachuntersuchungen der stationären Operationsfälle stattfindet und zu dieser Untersuchung hätte ich dann extra von zuhause wieder anreisen müssen.


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