2.) Woher weiß man, dass man ein Karpaltunnelsyndrom hat?


In meinem Einführungsartikel habe ich bereits einige Informationen über das Karpaltunnelsyndrom gegeben. Hier möchte meine eigene Vorgeschichte schildern.

Das mal einzelne Finger oder die ganze Hand einschläft, besonders nachts, ist wohl relativ normal und sicher noch nicht besorgniserregend. Zum ersten Mal wirklich störend und beeinträchtigend wurde das bei mir vor einigen Jahren und zwar beim Motorrad fahren.

Einschlafende Hände

Ich hatte mir eine grosse gebrauchte BMW gekauft, hatte aber von Anfang an Schwierigkeiten mit der Sitzposition. Ich versuchte es mit diversen Umbauten wie Sitz tiefer legen und Lenker höher legen, aber irgendwie kam ich zu keiner optimal entspannten Sitzhaltung. Das hatte zur Folge, dass das Gewicht meines Oberkörpers beim Fahren auf den abgeknickten Handgelenken lastete. Ich bin zu dieser Zeit dennoch fast täglich einige Stunden mit der Maschine unterwegs gewesen und ich könnte mir vorstellen, dass hier auch eine Ursache für die Erkrankung lag.

Mit der Zeit schliefen mir die Hände während der Fahrt ein. Anfänglich nur bei langen Touren, später praktisch schon nach den ersten Kilometern. Immer wieder Ausschütteln der Hände und kneten, wenn ich mal gerade an einer Ampel stand half nur noch für dem Moment. Da ich dieses Einschlafproblem nur beim Motorrad fahren hatte, schob ich es auf die schlechte Sitzposition. Ich verkaufte die Maschine, weil ich mich darauf nicht mehr sicher fühlte. Es ist nicht besonders lustig, eine 300 kg Maschine zu bewegen, ohne Gefühl in den Händen zu haben.

Schmerzen und keine Kraft mehr in den Händen

Aber auch bei einem anderen Hobby, dem Brennholz produzieren, stieß ich mehr und mehr auf Schwierigkeiten, die durch das Karpaltunnelsyndrom verursacht wurden. Ich konnte die Kettensäge nicht nur nicht mehr halten, weil mir die Hände einschliefen. Ich verlor auch immer mehr die Kraft, die Säge zu führen und zu heben und hatte starke Schmerzen in den Händen. Zu dieser Zeit bemerkte ich auch, dass Daumen, Zeige- und Mittelfinger meiner rechten Hand sich immer mehr „samtig“ anfühlten und ich kleine Gegenstände nicht mehr korrekt greifen konnte, weil ich nicht spürte, ob ich sie nun festhielt oder nicht. Umgekehrt kam es immer öfters vor, dass mir Dinge aus der Hand fielen, weil ich dachte, ich hätte sie fest gegriffen, was aber ein Trugschluss war. Mir war das sprichwörtliche Fingerspitzengefühl abhanden gekommen!

Nächtliche Schmerzen und Einschlafen des ganzen Armes

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass auch Fahrradfahren und Gartenarbeit mit Werkzeugen nicht mehr möglich war und zum Schluss auch telefonieren, schreiben und das Benutzer der Computermaus mühsam und schmerzhaft wurden. Der Begriff Karpaltunnelsyndrom tauchte dann bei Internetrecherchen der Symptome auf, aber ich schob die Thematik noch so lange von mir weg, bis ich recht plötzlich auch Nachts von heftigen Schmerzen im eingeschlafenen Arm, oft auch beiden Armen, wach wurde. Dieser Zustand verschlimmerte sich recht schnell und ich entschloss mich nun endlich zu handeln.

In den folgenden neun Artikeln berichte ich ausführlich über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Karpaltunnelsyndrom insbesondere vor, während und nach der Operation. Wenn Sie sich an dieser Stelle schnell einen allgemeinen Überblick zum Thema verschaffen wollen, dann schauen Sie sich bitte das folgende Video an:

Wenn die Hand schlapp macht (Quelle: Bayerisches Fernsehen)


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1.) Was ist das Karpaltunnelsyndrom?
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3.) Die Diagnose beim Neurologen

 

3.) Die Diagnose beim Neurologen

Nachdem nun die Symptome, wie im vorherigen Teil meines Berichtes beschrieben, so extrem wurden, entschloss ich mich, meinen Hausarzt um Rat zu fragen. Er diagnostizierte erwartungsgemäß auch auf Karpaltunnelsyndrom. Allerdings erklärte er, dass auch Bandscheibenprobleme oder Halswirbelprobleme Ursachen sein könnten.

Neurologische Untersuchung

Um abzuklären, ob es sich wirklich um eine Verengung des Karpaltunnels handelt, überwies er mich zum Neurologen. Erfreulicherweise bekam ich dort recht schnell einen Untersuchungstermin.


Bei dieser Untersuchung wird die Nervenleitgeschwindigkeit mittels Stromfluss gemessen. Man bekommt ein paar kleine Elektroden an verschiedenen Stellen der Hand aufgeklebt. Die Elektroden sind per Kabel mit einem Messgerät verbunden, das den Wert der Nervenleitgeschwindigkeit erfasst. Diese ist anhand einer Kurve und eines Wertes abzulesen. Der Neurologe erkennt anhand von Referenzwerten die Ausprägung der Erkrankung des „Nervus medianus“.
In meinem Fall waren die Werte der rechten Hand so hoch, dass er zu sofortiger Operation riet und auch mit der linken Hand solle ich nicht mehr all zulange warten.
Die Untersuchung würde ich nicht direkt  als schmerzhaft beschreiben, aber das durch den Stromimpuls ausgelöste Zucken der Finger ist auch nicht angenehm. Die Prozedur ist aber sehr schnell vorbei und es ist keinesfalls eine Untersuchung, vor der man Angst haben muss.
Mit dem Befund ging ich also wieder zurück zu meinem Hausarzt, der mir eine Einweisung ins Krankenhaus ausstellte.

 

Karpatunnelsyndrom

Das Karpalband, das bei der Operation durchtrennt wird, damit der darunterliegende Nerv wieder Platz bekommt, ist gelb markiert.

 

Exkurs: Sulcus-ulnaris-Syndrom

Als ich anlässlich der zweiten Operation, also der linken Hand, im OP-Vorgespräch im Krankenhaus erwähnte, dass mir auch ab und zu der Ringfinger und der kleine Finger einschlafen, beschloss der Arzt spontan, dass ich eine erneute Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit durchführen lassen sollte. Er erklärte mir, dass für diese beiden Finger ein anderer Nerv, der in einer Vertiefung des Ellenbogengelenks liegt, zuständig ist und man in diesem Fall von einem Sulcus-ulnaris-Syndrom spricht. Sollte sich bei der Kontrollmessung dort auch eine Verengung herausstellen, so könne man das direkt mitoperieren. Allerdings, so erklärte er mir, sei diese Operation aufwändiger und der Arm müsse dann einige Wochen geschient werden.

Darauf war ich nicht vorbereitet und ich war mir auch gar nicht sicher, ob ich das zu diesem Zeitpunkt machen lassen wollte. Dennoch wurde das Vorgespräch abgebrochen und ich begab mich erneut zum Neurologen, der mir, durch das Krankenhaus organisiert, sofort einen Termin gab. Er untersuchte ebenfalls mit der beschriebenen Methode den Nerv in der Armbeuge und auch erneut den  „Nervus medianus“ der linken Hand. Das Ergebnis war, dass der Nerv in der Armbeuge unauffällig war, dafür aber die Schädigung durch das Karpaltunnelsyndrom seit der letzten Messung, ein halbes Jahr zuvor, erheblich fortgeschritten war. Es blieb also zum Glück alles beim geplanten Operationsverlauf. Allerdings deutet das Einschlafen des kleinen und des Mittelfingers auf Halswirbelsäulenprobleme hin. Aber das ist ja ein ganz andere Baustelle.



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2.) Woher weiss man, dass man ein Karpaltunnelsyndrom hat?
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4.) Voruntersuchungstermin im Krankenhaus

 

4.) Voruntersuchung zur Operation im Krankenhaus

St. Antonius Krankenhaus Schleiden - Karpaltunnelsyndrom


Im Menü Fachbereiche geht’s zur Abteilung „Plastische-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie des Krankenhauses Schleiden.

In meinem letzten Artikel zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms beim Neurologen

berichtete ich über die Diagnosemethode der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.Das Ergebnis dieser Untersuchung war im Endeffekt die Einweisung ins Krankenhaus zur Operation.

Das Krankenhaus meiner Wahl stand schnell fest, denn das hiesige Kreiskrankenhaus hat einen hervorragenden Ruf im Fachgebiet Handchirurgie, geleitet durch Dr. med. Peter Funke. Ich kann meinen folgenden Berichten insofern vorgreifen, in dem ich diesen guten Ruf in jeder Hinsicht bestätigen kann.

Weitere Informationen zum Krankenhaus finden Sie hier:
St. Antonius Krankenhaus in Schleiden.


Ich machte telefonisch einen Termin mit der Verwaltung der Hand- und Fußchirurgie aus. Diese Fachabteilung verfügt über eine separate Verwaltung, einen eigenen Untersuchungsbereich und eine eigene Station, sodass ich keine lange Wartezeit für einen Termin in Kauf nehmen musste.

Auch am Voruntersuchungstag selbst musste ich nicht lange warten. Die Untersuchung bestand allerdings lediglich aus einer Sichtkontrolle der Hände und der Klärung einiger  Fragestellungen zum Krankheitsverlauf. Aufgrund des Befundes des Neurologen, bestätigte auch dieser Arzt, dass eine Operation dringend notwendig sei.

Im Folgenden klärte mich der Arzt darüber auf, wie die Operation durchgeführt wird:

Die Anästhesie

Zunächst ist natürlich eine Betäubung (Anästhesie) notwendig. In diesem Fall wird der komplette Arm mittels einer sogenannten Plexusanästhesie betäubt. Dazu wird versucht, den betreffenden Nerv zu betäuben und zwar dort, wo ein ganzes Nervenbündel am leichtesten zugänglich ist und zwar in der Achselhöhle. Der für das Karpaltunnelsyndrom verantwortliche Nerv wird mithilfe vom Stromimpulsen ausfindig gemacht und dann mit einem Betäubungsmittel betäubt.

Diese regionale Anästhesie gelingt in ca. 80% der Fälle, so erklärte mir der Arzt. In den restlichen 20% wurde der Nerv nicht ausreichend betäubt. Das wird kurz vor der Operation getestet. Reicht die Betäubung nicht aus, wird eine Vollnarkose eingeleitet.

Die Operation

Oberhalb des Handgelenks, am Beginn der Lebenslinie, wird unter Blutabschluss ein senkrechter Schnitt von etwas 2-3- cm Länge gemacht. Die Haut wird dort aufgeklappt sodass man Zugang zum Karpalband erhält, das quer über dem betroffenen Nerv liegt. Dieses Band wird mit einem Schnitt gespalten oder komplett durchtrennt, was zur Folge hat, dass der Nerv nun wieder mehr Platz hat.
Der Eingriff dauert ca. 10 Minuten, zählt zu den Standard-Operationen dieses Krankenhaus und wird dort ca. 3-5 mal täglich durchführen. Das schien mir ausreichend Routine zu sein, um der Sache beruhigt entgegen zusehen.

Die Genesungsphase

Verläuft die Operation normal – mit oder ohne Vollnarkose – so kann der Patient i.d.R. noch am gleichen Tag, spätestens aber am nächsten Tag entlassen werden. Die Hand ist dann in einen gepolsterten Verband gewickelt, der von Hausarzt alle paar Tage gewechselt werden soll. Nach ca. 2 Wochen sollen die Fäden gezogen werden. Auch das kann der Hausarzt durchführen.
Arbeitsunfähig ist man ca. 3 Wochen, je nach Arbeitsbelastung für die Hände, auch bis zu 6 Wochen.

Die Formalitäten

Natürlich ließ der Arzt mich auch nicht über die eventuellen Risiken im Unklaren. Zwar würde in aller Regel ein unmittelbares Verschwinden der Symptome, also dem Einschlafen von Fingern, Hand und Arm, eintreten. Dennoch könnte es zu anfänglichem Taubheitsgefühl in der Hand und den Fingern kommen. Unter Umständen könnten Nerven geschädigt werden und diese hätten dann eine sehr lange Genesungszeit. Er wies natürlich auch auf die üblichen, diversen Risiken einer Operation hin, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

Es war klar, dass nicht beide Hände in einer Operation gemacht werden konnten. Ich entschloss mich also, mit der rechten Hand zu beginnen. Der Arzt informierte mich noch darüber, dass die zweite Hand frühestens 6 Wochen nach der ersten Operation in Angriff genommen werden kann.

Zurück in der Verwaltung wurde ein sehr zeitnaher, passender OP-Termin vereinbart.  Dabei hatte ich mit monatelanger Wartezeit gerechnet, aber dem war zum Glück nicht so. Für die Anästhesie bekam ich noch einen Fragebogen mit auf den Weg, den ich bei Antritt im Krankenhaus wieder mitbringen sollte.


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3.) Die Diagnose beim Neurologen
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5.) Der erste Tag im Krankenhaus

5.) Der erste Tag im Krankenhaus

Im vorigen Teil meiner Artikelserien über meine Erfahrungen mit dem Karpaltunnelsyndrom habe ich über den Voruntersuchungstermin im Krankenhaus berichtet. Im folgenden fünften Teil schildere ich meine Erlebnisse am ersten Krankenhaustag.

Formalitäten

Ich hatte Order, mich um Punkt 7.30 Uhr bei der allgemeinen Krankenhausverwaltung am Tag vor dem geplanten Operationstermin einzufinden, was ich tat. Ich musste nicht warten. Die Mitarbeiterin war sehr freundlich und erledigte mit mir souverän diverse Formalitäten (Zuzahlung , Einverständniserklärung, Datenschutzerklärung, Haftungsausschluss bei Diebstahl, zu benachrichtigende Angehörige im Falle, dass… etc.) Sie erklärte mir  zum Schluss, wo die zuständige Station zu finden ist und dass ich dort bereits erwartet würde.

Empfang auf der Station

Auf der Station angekommen, wurde ich in der Tat bereits von einer Schwester namentlich begrüsst und bekam einen Fragebogen in die Hand gedrückt. Ich wurde in die Nähe eines Untersuchungszimmers platziert und gebeten den Fragebogen auszufüllen und bei dem kommenden Gespräch mit dem Arzt abzugeben. Der Fragebogen enthielt diverse Fragen zu Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand und kaum war ich fertig mit ausfüllen, wurde ich auch schon in das Untersuchungszimmer gebeten.
Hier erklärte mir nun ein freundlicher Arzt erneut den Operationsverlauf des Karpaltunnelsyndroms inklusive Risiken und Nebenwirkungen. Im Anschluss musste ich mein Einverständnis zur Operation auf dem Fragebogen per Unterschrift erklären und durfte wieder gehen.

Karpaltunnelsyndrom

Im Bild erkennt man das oberhalb vom Handgelenk querliegende Karpalband und die Nerven, die in die Finger verlaufen. Beim Karpaltunnelsyndrom sind typischerweise die Nerven in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger betroffen.

Die Krankenschwestern erwarteten mich bereits und begleiteten mich zu meinem Zimmer. Da ich gewöhnlicher Kassenpatient war, hatte ich einen Mitbewohner, der auch gerade erst angekommen war und ebenfalls am nächsten Tag operiert werden sollte. Ich war sehr angenehm darüber überrascht, dass es „nur“ ein Zweibett-Zimmer war. Da hatte ich in anderen Krankenhäusern schon ganz  anderes erlebt (vier- und fünf-Bett-Zimmer).

Die Schwester nahm sich Zeit, mit mir den Essenplan durchzugehen, wobei sie gleich klar stellte, dass ich an diesem Abend ab 22.00 Uhr nichts mehr essen und trinken dürfe und es auch am nächsten Tag, also dem Operationstag vor der Operation weder feste noch flüssige Nahrung gäbe. Ok, damit kann ich leben. Alles ist relativ, wenn man auch schon Operationen überstanden hat, vor denen man vorher abführen musste und mehrere Tage nach der Operation kaum etwas essen oder trinken durfte.

EKG und Anästhesiebesprechung

Der Essenplan war gemacht und schon wurde ich zum nächsten Termin zitiert, dem EKG. Dazu musste ich wieder „zurück auf Los“, nämlich zur allgemeinen Verwaltung. Gegenüber lag der EKG-Raum vor dem ich zu warten hatte. Man würde mich aufrufen. Ich vermute, es lag an der Mittagszeit, aber dieses mal musste ich lange warten, bis ich aufgerufen wurde, obwohl ich der einzige Patient im Wartebereich war. Das EKG selbst war in wenigen Minuten erledigt und zeigte keine Besonderheiten.

Mit diesem Ergebnis ging ich zurück zur Station, wo bereits das Mittagessen (Punkt 12.00 Uhr) auf dem Tisch stand. Nun, dieses Essen konnte ich mir natürlich noch nicht aussuchen, aber es war wohl essbar.

Nach dem Essen folgte etwas Smalltalk mit dem Zimmergenossen, der im Prinzip am gleichen Krankheitsproblem litt, jedoch nicht in den Händen, sondern in den Füssen. Eine entsprechenden Operation ist ungleich aufwändiger und man darf anschliessend mehrere Wochen mit einer Beinschiene herumlaufen.

Ein Termin stand noch aus, nämlich der mit dem Anästhesisten. Dieses Gespräch fand nun im Anästhesiebereich des Krankenhauses statt. Der Anästhesist erklärte mir noch einmal ausführlich die Betäubungsmethode, die zur Operation des Karpaltunnelsyndroms notwendig ist. Neben dem bereits bei der Voruntersuchung Erwähntem, informierte er noch darüber, dass an dem nicht operierte Arm eine Kanüle gelegt würde, die zur Versorgung mit Narkosemittel oder Medikamenten dient.
Das ist für mich immer etwas beunruhigend, weil ich weiß, dass man bei mir so schlecht geeignete Venen findet und ich immer mehrere Stechversuche über mich ergehen lassen muss.

Der Arzt legte noch fest, welche meiner eigenen Medikamente ich wann nehmen soll und erklärte mir, dass ich weitere Medikamente (Schmerzmittel Ibuprofen) vom Krankenhaus bekommen würde.
Auch hier durfte ich meine Zustimmung durch Unterschrift auf dem Aufklärungsformular erklären und war für den Rest des Tages entlassen.

Diesen restlichen Tages verbrachte ich mit Unterhaltung mit dem Zimmergenossen, Abendessen, Lesen und Wanderungen durchs Krankenhaus.


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4.) Voruntersuchung im Krankenhaus
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6.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 1

6.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 1

Mein vorheriger Artikel handelte vom ersten Tag im Krankenhaus, den zu erledigenden Formalien und Voruntersuchungen. Im folgenden Artikel berichte ich nun vom wichtigsten Tag im Leben eines Karpaltunnelsyndrom-Patienten, dem Operationstag. In diesem Teil geht es zunächst um all die Dinge, die geschehen, bevor zur eigentlichen Operation geschritten wird.

Kleiderordnung

Mein Zimmergenosse und ich hatten die erste Nacht im Krankenhaus gut verbracht. Zu relativ humaner Zeit (gegen 7 Uhr) wurden wir von einer Schwester geweckt und dann gleich zur Eile angehalten, weil einer von uns der erste OP-Patient des Tages sein sollte. Nach der Morgentoilette gab es drei OP-vorbereitende Maßnahmen:

  • Antitrombose-Strümpfe anziehen
  • das OP-Hemd anziehen (ein Umhang, wie man ihn auch beim Friseur bekommt, der auch auf gleiche Art anzuziehen ist, also vorne zu, hinten offen).
  • eine Art altertümliche Duschhaube als Kopfbedeckung aufsetzen
  • Rasieren der Achselhöhle des zu operierenden Armes

Da der Zeitpunkt des Abrufs zur Operation nicht bekannt war, blieb uns nichts anderes übrig, als in diesem attraktivem Outfit in Bereitschaft zu bleiben.

In Wartestellung im Operationsbereich

Etwa zwei Stunden später wurde dann ich als erster abgeholt. Ich durfte mich in mein Bett legen und selbiges wurde von einer Krankenschwester zuerst in den Aufzug und dann durch diversen Katakomben des Krankenhauses geschoben. Das ist eine merkwürdige Bewegungssituation, die ganz neue Blickperspektiven eröffnet 🙂



Nachdem wir auf diese Art verschiedene Gänge und Türschleusen passiert hatten und dabei reichlich an Wänden und Pfosten angestoßen waren, gelangten wir in einen grossen Saal. In diese Saal standen bereits schätzungsweise zehn Betten inklusive Patienten darin. Im Raum war reges Hin- und Her und Rein- und Rauslaufen von blau gekleidetem Personal und Stationspersonal in weiss. Es waren auch sozusagen Zivilisten anwesend. Das waren offensichtlich Angehörige von Patienten, die ungeplant  angesichts einer akuten Krankheitssituation in diesem Krankenhausbereich gelandet waren.
Nach einem kurzen Augenblick kümmerte sich eine Schwester auch um mich, in dem sie versuche in meiner linken Armbeuge eine Vene zu finden, um die angekündigte Kanüle zu setzen. Rechts wäre bei mir etwas einfacher gewesen, aber da sollte ich ja operiert werden. Wie erwartet, half alles klopfen und mit der Faust pumpen nichts. Die nächste Option in diesem Fall ist dann der Handrücken. Die Schwester traute sich das aber nicht zu und rief einen Kollegen zur Hilfe, der sich als Anästesist vorstellte. Der war auch nicht begeistert, wagte dann aber einen beherzten Stich und war erfolgreich.
Diese Prozedur ist nicht gerade angenehm, aber es war erträglich. An der Kanüle würde sofort ein Tropf mit Kochsalzlösung angeschlossen.

Nun wurde ich in einen kleineren Raum geschoben, der nur Platz für vier Betten bot, die lediglich durch einen Vorhang sichtgeschützt waren. Dort hörte man diverse Geräte piepen, pumpen und pusten. An diese Geräte wurde ich nun auch mittels Saugnäpfen, wie beim EKG, angeschlossen. Ausserdem erhielt ich eine Art Wäscheklammer auf einen Finger gesetzt zur Kontrolle der Blutsauerstoffversorgung und ich erhielt am linken Arm eine Blutdruckmanschette, die durch ein automatisches Blutdruckmessgerät ab und an aufgepumpt wurde.

Im zweiten Teil der „Vorbereitungen am Operationstag“ erfahren Sie, wie es mit der Operation des Karpaltunnelsyndroms weiter ging.


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5.) Der erste Tag im Krankenhaus
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7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2

7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2 – Regionale Narkose

In meinem Erfahrungsbericht Nr. 6 Teil 1 zum Karpaltunnelsyndrom habe ich aus meinem Erleben als Patient berichtet, wie ich die Vorbereitungen zur Operation wahrgenommen habe. Im heutigen siebten Bericht, erfahren Sie im Teil 2, wie es mit diesen vorbereitenden Maßnahmen weiter ging.


Während ich in dem kleinen Behandlungsraum vor dem Operationssaal auf den nächsten Akt in Sachen Karpaltunnelsyndrom wartete, fand ich es sehr interessant, den Ablauf in diesem Krankenhausbereich beobachten bzw. mithören zu können. Permanent lief verschiedenes Personal in blau oder weiß gekleidet herum, sprach immer sehr freundlich und einfühlsam mit den Patienten und erkundigte sich bei jedem einzelnen immer wieder nach dessen Wohlbefinden. Ich spreche an dieser Stelle sehr gerne ein dickes Lob an die Menschen aus, die ich dort „unten“ erleben durfte. Es geht dort für meine Begriffe sehr hektisch zu, aber scheinbar hat jeder seine Arbeit perfekt im Griff und schafft es auch noch, gute Stimmung und Gelassenheit zu verbreiten. Respekt!
Als sei dies nicht schon genug Herausforderung, hatten die Pfleger und Schwestern auch noch mit einer offenbar kürzlich neu angeschafften Software für diesen Bereich zu kämpfen. Amüsiert hörte ich zu, wie fantasievoll gerätselt wurde, wo man was eingeben muss, warum Masken nicht mehr auffindbar waren oder sich anders verhielten als erwartet.

Regionale Narkose

Nach relativ langer Wartezeit kam dann der Anästesist, der auch die Kanüle gelegt hatte und erklärte mir, dass er nun in meiner Achselhöhle den Nerv namens Plexus anhand von Stromimpulsen suchen würde und den Nerv dann mit einer Injektion betäuben würde. Ein Pfleger hielt meinen Arm nach oben angewickelt fest und der Arzt suchte zunächst manuell, also ohne strom, in meiner Achselhöhle nach dem Nerv. Nachdem er glaubte, er habe ihn gefunden, ließ er, nach Ankündigung, Strom fließen.

Ich hatte ein Kribbeln erwartet, aber der Effekt war überraschen anders. Verschiedene Stellen in meiner Hand und einzelne Finger zuckten plötzlich ohne das ich willentlich etwas dafür tat. Das hatte etwas von ferngesteuert werden. Ich fand es merkwürdig aber auch irgendwie lustig, wenn auch etwas schmerzhaft. Der Arzt allerdings war nicht zufrieden mit seinen Künsten und so wurde der Chefanästhesist dazu gerufen. Selbiger ging etwas beherzter an die Sache heran, was für mich hieß, dass es auch etwas schmerzhafter zuging. Schließlich war er aber mit einer Nervenfundstelle zufrieden und injizierte das Betäubungsmittel.

Anmerkung:
Bei der zweiten Operation, also der Operation der linken Hand, wurde diese Prozedur genauso, aber von einem anderen Arzt, durchgeführt. Dabei war das Suchen des richtigen Nerves mittels Stromimpuls wesentlich schmerzhafter, weil – so vermute ich – mit einer grösseren Strommenge gearbeitet wurde. Vorteil war aber, dass der richtige Nerv viel eindeutiger identifiziert werden konnte. Auch das Einspritzen des Betäubungsmittels war ziemlich schmerzhaft, weil der hohe Strom dabei auf dem Nerv beibehalten wurde und das Ganze nun mal einige Zeit dauert.
Diese etwas brutale Vorgehensweise zollte wohl dem Umstand Tribut, dass an diesem Tag ein extremer Personal-, Zeit- und Platzengpass im Operations-Bereich und auf der Intensivstation herrschte. Deshalb wollte der Arzt unbedingt vermeiden, dass eine Vollnarkose notwendig wird und wollte sichergehen, dass die regionale Anästhesie klappt. Das hat er mir auch vorher erklärt und mir war es natürlich recht. Dass es mit erhöhten Schmerzen einhergehen würde, sagte er nicht und das war wahrscheinlich auch gut so. Es waren ja nur ein paar Sekunden (und gefühlte Minuten).

Das Betäubungsmittel war gespritzt und am nun hieß es wieder warten. Ich wurde nach kurzer Zeit wieder in den großen Saal vor den Operationsräumen geschoben und harrte der Dinge, die da kommen mögen.

Im nächsten Teil Nr. 8 der Operationsvorbereitungen berichte ich über einen kleinen menschlichen Zwischenfall.


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6.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 1
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8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 mit Intermezzo

 

8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 – Intermezzo

Im vorigen Artikel habe ich über Vorbereitungen zur Karpaltunneloperation berichtet. Insbesondere ging es um die Anästhesie, also die Betäubung der zu operierenden Hand bzw. des betreffenden Armes. Im folgenden Artikel geht es weniger um die medizinischen Aspekte, sondern um ein kleines Intermezzo kurz vor der Operation.


Ich wurde vom kleinen Beobachtungsraum wieder zurück in den grossen Saal geschoben und ab und an kam der Anästesist vorbei und befragte mich zum Betäubungsempfinden. Langsam, sehr, sehr langsam wurden zuerst meine Finger taub, dann meine Hand, dann der ganze Unterarm und dann…
war meine Blase voll von der Kochsalzlösung, die ja per Tropf und Kanüle stetig in mich hinein lief. Inzwischen lag ich insgesamt schon ca. zwei Stunden in Warteposition und mir war klar, dass ich nicht in den Operationssaal gehen könnte ohne vorher noch auf der Toilette gewesen zu sein. Es war ja nicht absehbar, wie lange das insgesamt noch dauern würde, wenn wohl möglich auch noch eine Vollnarkose notwendig würde.

Also teilte ich dem Pfleger vom Dienst mein Bedürfnis mit. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass mein Bett direkt am Eingang zur Toilette stand. Ok, weiter weg, wäre auch nicht schlimm gewesen, ich konnte ja gehen, aber in welchem Zustand:
Duschhaube auf dem Kopf, ohne Brille, Totenhemd mehr recht als schlecht vor dem Bauch hängend, weisse Stützstrümpfe rechts bis zu Pobacke, links irgendwo zwischen Poback und Kniekehle hängend, in der linken Hand den Kochsalzbeutel, und ein rechter Arm, der nicht mehr mir gehörte und entsprechend völlig unkontrollierbar herumbaumelte. Das Ganze ohne Schuhe, denn die Hausschuhe werden selbstverständlich nicht mit zum OP gebracht.
Der Pfleger begleitete mich bis vor die Toilettenschüssel, klappte diese zuvorkommend hoch und ich glaube, er wollte mir auch noch bei den weiteren handwerklichen Verrichtungen helfen, aber ich bedankte mich und versicherte, dass ich den Rest alleine hin bekäme. Allerdings war es eine unerwartete Herausforderung, wenn man aufpassen muss, das der betäubte Arm nicht irgendwo anschlägt, im Türgriff oder am Klopapierabroller hängen bleibt. Es galt gleichzeitig, das Totenhemd irgendwie einhändig auf den Rücken zu schieben und es daran zu hindern, heimtückisch über die gelähmte Seite wieder nach vorne zu rutschen und sich wie ein Vorhang vor die geplante Strahlrichtung zu positionieren. Während ich noch mit dem Hemd beschäftigt war, bemerkte ich, dass ich mir den Schlauch vom Kochsalzbeutel, der inzwischen am dem Boden lag, um die Beine gewickelt hatte und im Begriff war, die Kanüle aus der Hand zu ziehen, weil ich fast auf den Beutel getreten wäre.
Nach dem ich den Schlauch entwirrt hatte, aber der Hemdvorhang einfach nicht auf dem Rücken bleiben wollte, entschloss ich mich, die Angelegenheit im Sitzen zu erledigen. Das führte erstmal zu keinen weiteren Schwierigkeiten mehr. Allerdings stellte sich heraus, dass man mit nur einer Hand ganz schlecht eine Unterhose wieder heraufziehen kann und auch Händewaschen ist etwas umständlich.

In solchen Situationen merkt man, wie man es für selbstverständlich hält, dass der Körper hundertprozentig funktioniert und wie hilflos man wird, wenn das mal nicht der Fall ist.

Wie auch immer, nach dieser Aktion half mir der Pfleger wieder ins Bett und wenige Minuten später wurde ich auch schon zur Operation abgerufen.

Über diese Operation des Karpaltunnelsyndroms werde ich im kommenden, neunten Teil meines Berichtes Auskunft geben.


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7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2
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9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose

9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose

Im letzten Artikel habe ich über einen kleinen menschlichen Zwischenfall kurz vor Beginn der Operation des Karpaltunnelsyndroms berichtet. Heute nun schildere ich, wie sich die Operation aus meiner Sicht als Patient abgespielt hat.

Die Toilettenaktion war perfektes timing, denn kaum lag ich wieder im Bett, kam auch der Startschuss zur OP. Ich wurde erneut in einen anderen Raum geschoben. Dort musste ich mein Bett verlassen und auf den daneben stehenden Operationstisch klettert. Das war nicht so einfach, weil der Operationstisch fast hüfthoch war und weil ich mich auf dem rechten, betäubten Arm nicht abstützen konnte. Aber mit einigen helfenden Händen und einer von einer Schwester erklärten Klettertechnik, gelang es letztendlich. Der Operationstisch stellte sich als derart unbequem heraus, dass ich augenblicklich Rückenschmerzen bekam, obwohl ich damit sonst kaum Probleme habe.
Nun wurde ich in den eigentlichen Operationsraum geschoben und wieder an den bereits bekannten Geräten angeschlossen. Zu meiner Linken nahm der Anästhesist platzt und an meinem rechten Arm machten sich zwei Chirurgen zu schaffen. Hand und Unterarm wurden reichlich mit Desinfektionsmittel (sehr orange!) gebadet.
Als nächstes ging es um die Fragestellung, ob die Betäubung ausreicht. Ich konnte alle Berührungen sehr deutlich spüren. Offenbar ist es aber ganz normal, dass man trotz Betäubung eine Berührungsempfindlichkeit hat.

Allerdings spürte ich auch die Schmerztests, die gemacht wurden als leichtes Picksen und das war wohl leider nicht gut. Obwohl ich heldenhaft erklärte, dass ich es aushalten würde, wenn es nicht schlimmer wird, waren die Ärzte der Meinung, dass es doch nicht ohne eine Vollnarkose gehen würde. Sie erklärten mir, wie bereits beim Narkosevorgespräch, dass sie nun eine Vollnarkose einleiten werden und dass dann zur Beatmung ein sogenannter Tubus in Mund und Hals eingeführt wird. Das kann später nach dem Aufwachen zu leichten Halsschmerzen und Heiserkeit führen.

Das Narkosemittel wurde also durch die bereits gelegte Kanüle der anderen Hand eingeleitet. Man verspürt ein merkwürdiges Kribbeln im Kopf, merkt wie die Sinne schwinden und in wenigen Sekunden ist man weg.

Meine zweite Operation (linke Hand) des Karpaltunnelsyndroms, die ich ca. sechs Monate später im gleichen Krankenhaus durchführen ließ, verlief bis zu diesem Moment etwas gleich. Dieses Mal allerdings reichte die regionale Betäubung aus und ich wurde ohne Vollnarkose operiert. Hierüber berichte ich in Kapitel 10.

 

Aufwachen!

Mexikoohoohoo, Mexiko, Mexikoooo!
„Das kenne ich, das sind die Les Humphries Singers, irgendwann Anfang der 80iger Jahre…“

Die Sonne schien mir ins Gesicht, ich fühlte mich ungewöhlich gemütlich und zufrieden und freute mich über die Musik. Dann fiel mein Blick auf eine Uhr an der Wand mir gegenüber. Kurz vor zwölf Uhr. Überraschend beugte sich eine Frau über mich und fragte, ob es mir übel sei oder ob ich Schmerzen habe. In diesem Moment wurde ich hellwach und mir war klar, dass ich mich auf der Intensivstation des Krankenhauses befand. Schmerzen hatte ich, aber nur im Rücken von dem harten Operationstisch. Meine Hand, die dick verbunden war, schmerzte überhaupt nicht. Übel war mir auch nicht, aber ich hatte einen Mordshunger. Als könne die Schwester Gedanken lesen, sagt Sie mir, dass ich mich anziehen (meine Sachen waren bereits da) und hinauf in mein Zimmer gehen könne. Das Essen sei schon da und ich solle viel trinken und etwas herumlaufen.

Dritter Verband nach Operation des Karpaltunnelsyndroms (10 Tage nach der OP)

Der erste Verbandswechsel findet am Tag nach der Operation des Karpaltunnelsyndroms statt. Danach ca. alle 5 Tage. Der Verband dient hauptsächlich als Schmutz- und Stoßschutz.


Ich fühlte mich wirklich fit und tat wie mir geheissen. Mein Zimmernachbar war inzwischen auch zur Operation gebracht worden, sodass ich den Nachmittag mit Lesen und Spazieren gehen verbrachte. Auf meinem Betttisch fand ich die angekündigten Medikamente, die ich weisungsgemäß einnahm.

An diesem Tag wurde ich noch nicht entlassen. Das hätte auch keinen Sinn gemacht, weil routinemässig am nächsten Morgen die Nachuntersuchungen der stationären Operationsfälle stattfindet und zu dieser Untersuchung hätte ich dann extra von zuhause wieder anreisen müssen.


Hier geht’s weiter:

vorheriger Bericht:
8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 – Intermezzo
nächster Bericht:
10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms mit regionaler Betäubung

10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms mit regionaler Anästhesie

In Artikel Nr. 9 meines Berichts über die Operation des Karpaltunnelsyndroms schilderte ich den Verlauf meiner ersten Operation, der rechten Hand. Diese Operation wurde unter Vollnarkose vorgenommen, weil die regionale Betäubung des Armes nicht ausreichte.

Bei der zweiten Operation, ca. 6 Monate später, gelang aber die regionale Narkose und so konnte ich unmittelbar mit erleben, was während der Operation geschah. Wie die regionale Narkose erfolgt, können Sie  unter 7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2 – Regionale Narkose nachlesen.


Nach dem ich nun im Operationsraum lag und wieder an Blutdruckgerät etc. angeschlossen und die Hand desinfiziert war, kam es zur Überprüfung, ob die Betäubung ausreicht. Wie bereits bei der ersten Operation (der rechten Hand) konnte ich alle Berührungen sehr deutlich spüren, was normal ist. Bei den Tests auf Schmerzempfindlichkeit spürte ich jedoch, im Gegensatz zum vorigen Mal, nichts, so dass klar war, dass dieses Mal ohne Vollnarkose zur Tat geschritten werden konnte.

Es waren ein Arzt und eine Ärztin anwesend. Die Ärztin begann damit, meinen Arm mit einer Art Verband aus dickem Gummi von der Hand aus in Richtung Schulter fest einzuwickeln. Mir wurde schnell klar, dass die Ärztin noch nicht über all zu große Erfahrung verfügte, denn sie wurde ab und an von ihrem Kollegen etwas korrigiert. Am Oberarm wurde nun noch eine abbindende Manschette angebracht und die Gummiwicklung wieder entfernt. Mit dieser Technik wird erreicht, dass das Operationsgebiet möglichst blutfrei ist.
Bis dahin durfte ich mir die Vorbereitungen noch ansehen, doch dann wurde meine Sicht mit Tüchern versperrt. Es folgten noch einige Handgriffe, die ich aber nicht zuordnen könnte und dann sagte der Chirurg, „Wir beginnen jetzt mit dem Eingriff“.
Reflexartig spannte ich meine linke Schulter und somit den ganzen Arm an, obwohl ich ansonsten eigentlich ganz gelassen war. Der Operateur erklärte in ruhiger, routinierter Stimmlage, dass er jetzt den Schnitt machen würde. Das konnte ich auch spüren, aber natürlich nicht als Schmerz, sondern nur als würde mir jemand ganz leicht über die Hand streichen. Dann nahm ich wahr, dass er nun im inneren der Hand mit irgendeinem Instrument arbeitete. Er erklärte der Kollegin mit sehr gedämpfter Stimme sein Vorgehen, während ich eine gleichmäßige Hin- und Herbewegung des Scalpels spürte. Nach eine kurzen Pause wurde diese Bewegung fortgesetzt. Dieses mal aber war es ein deutliches Rupfen und Zupfen und ich erlaubte mir die Bemerkung, dass wohl jetzt jemand anderes zu Werke sei. Die beiden leugneten das zwar nicht, unterhielten sich aber fortan noch leiser, um wohl den aufmerksamen Patienten nicht weiter zu beunruhigen. Der Anästhesist, der zu meiner Rechten saß, sah sich offenbar nun veranlasst, mich durch allerlei lockere und witzige Bemerkungen vom Geschehen abzulenken. Dabei war ich kaum nervös, sondern eher interessiert. Dennoch stieg mein Blutdruck wohl etwas und der Anästhesist erklärte mir, dass er mir durch die Kanüle ein blutdrucksenkendes Medikament geben würde.


„Wir nähen jetzt zu“, hörte ich den Arzt sagen. Davon spürte ich überhaupt nichts. Ebenso war nichts vom Verbinden der Hand zu bemerken.
Ich wurde von allen  Gerätschaften befreit und wieder ins das Vorzimmer des Operationsraums geschoben und dort in mein Bett verfrachtet.
Die Operation selbst hat, wie angekündigt, ca. 10 Minuten gedauert. Ich hatte vorher noch nie eine Operation bei vollem Bewusstsein erlebt und war deshalb neugierig gespannt. Überrascht war ich davon, dass es während der Operation in den Gesprächen des anwesenden Personals recht locker zuging, während gleichzeitig aber auch konzentriert gearbeitet wurde. Es herrschte eine entspannte, lockere Atmosphäre, obwohl ich wusste, dass an diesem Tag eigentlich eine ziemliche Hektik im OP herrschte.

Nach kurzer Wartezeit im grossen Wartesaal holte mich eine Stationsschwester ab und schob mich zurück durch die Krankenhauskatakomben in mein Zimmer. Nach einer kurzen Ruhepause war meine erste Amtshandlung, mich wieder zivilisiert anzuziehen. Im Anschluss an das Mittagessen wurde die Kanüle im rechten Arm gezogen, dann kam Besuch und den restlichen Tag verbrachte ich mit Lesen und  Fernsehen.
Ich hatte keinerlei Schmerzen in der Hand und das blieb auch so.


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9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose
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11.) Nachbehandlung und Genesungsprozeß

11.) Nachbehandlung und Genesungsprozeß

In den letzten beiden Berichten Nr. 9 und Nr. 10 habe ich über die Operation des Karpaltunnelsyndroms aus meiner Sicht und Erfahrung als Patient berichtet.

Sie sind entlassen!

Die Nacht nach der Operation hatte ich schmerzfrei und unproblematisch verbracht. Am nächsten Morgen stand gleich nach dem Frühstück der Nachuntersuchungstermin im gesonderten Krankenhausbereich der Handchirurgie an. Je nach dem, wie viele Patienten am Vortag operiert wurden, kann es hier zu Wartezeiten kommen, die aber aber bei mir nie länger als 30 Minuten waren. Bei der Nachuntersuchung wird der OP-Verband entfernt und eine Sichtprüfung gemacht. Diese wurde bei mir vom Chefarzt persönlich vorgenommen, obwohl ich nicht privat versichert bin.

Narbe Operation Karpaltunnelsyndrom

Das Foto zeigt die Narbe 14 Tage nach der Operation und am Tag nach dem Ziehen der Fäden

Zu sehen war eine etwa 2 cm lange und etwa 5 mm breite Narbe. Da keine Besonderheiten festzustellen waren, wurde neu verbunden und ich konnte mich bei der Verwaltung der Handchirurgie um meine Arbeits-unfähigkeitsbescheinigung und die Entlassungspapiere kümmern. Die weiteren Verbandswechsel sollten ca. alle fünf Tage durch den Hausarzt durchgeführt werden.

Ich packte meinen Koffer, was einhändig zugegebenermaßen etwas umständlich war und verabschiedete mich ausdrücklichem herzlichem Dank versehen beim Stationspersonal, dem an dieser Stelle noch einmal ein dickes Lob ausgesprochen sei!

Narbe Operation Karpaltunnelsyndrom gut 2 Wochen nach der Operation

Narbe Operation Karpaltunnelsyndrom gut 2 Wochen nach der Operation



Ich gestehe, dass ich mich bei meiner ersten OP nicht an die Anweisung des Krankenhauses gehalten habe, die da besagte, dass man am Entlassungstag nicht selbst dem Auto fahren soll…

Nachbehandlung und Genesungsprozeß

Der weiterer Genesungsprozess verlief planmässig. Ich schonte die Hand als solche, bewegte aber meine Finger normal.

„Schonen“ bedeutet unter anderem:

  • nichts schweres heben (auch keine vollen Flaschen, Töpfe oder ähnlich alltägliches)
  • nicht ziehen oder ziehen lassen (Hunde an Leine ;-))
  • keine Drehbewegungen (Gläser aufdrehen, Korkenzieher, Schraubendreher)
  • nicht aufstützen  usw.

Natürlich darf auch der Verband nicht nass werden und es sollte kein Schmutz darunter kommen. Deshalb habe ich beim Duschen immer eine Plastiktüte um die Hand gebunden.   Auf Gartenarbeit und ähnliches habe ich verzichtet. Dennoch muss ich sagen, dass der Verband nach den fünf Tagen auch einen Wechsel dringend nötig hatte.


Die Genesung bzw. Heilung verlief bei beiden Operationen gleich gut und komplikationslos. Ich hatte unter Beachtung der Schonungsanweisungen überhaupt keine Schmerzen und habe entsprechend die Schmerztel, die ich noch vom Krankenhaus bekommen hatte, nicht benötigt.
Vierzehn Tage nach dem Operationstag wurden vom Hausarzt die Fäden gezogen. Das ist in wenigen Minuten erledigt und pickt allenfalls etwas. Die Hand wurde noch einmal frisch verbunden, doch diesen Verband durfte ich dann am Folgeabend entfernen.
In den nächsten Wochen bin ich schon auch vorsichtig der operierten Hand gewesen, denn es ist natürlich schon so, dass es schmerzt, wenn man die Schonungsanweisungen nicht beachtet.

Narbe Operation Karpatunnelsyndrom 4 Wochen nach der Operation

Narbe Operation Karpatunnelsyndrom 4 Wochen nach der Operation

Narbe Operation Karpaltunnelsyndrom sechs Monate nach der Operation

Zu sehen ist die Narbe nach der Karpaltunneloperation ca. 6 Monate nach der Operation

FAZIT:
Arme, Hände und Finger sind vom Augenblick nach der Operation nicht mehr eingeschlafen und schmerzen nicht mehr. Aus meiner Sicht und meiner ganz persönlichen Erfahrung waren diesen Operationen des Karpaltunnelsyndroms ein grosser Erfolg für einen relativ kleinen Aufwand.

Dennoch ist klar, dass jede Operation Risiken in sich birgt, manchmal eine Korrekturoperation notwendig wird, keine Verbesserung eintritt oder im schlimmsten Fall schlechter wird. Die Entscheidung muss jeder selbst treffen. Ich hoffe, meinen Informationen und persönlichen Schilderungen auf dieser Seite zu etwas mehr Sicherheit in der Entscheidung beitragen zu können.

Ich würde mich sehr über Kommentare und andere Erfahrungsberichte freuen und bitte also, die Kommentarfunktion fleissig zu benutzen. Hinsichtlich der allgemeinen Informationen zum Thema werde ich die Seite kontinuierlich ausbauen. Wer also dauerhaft Interesse am Thema hat, der kann diesen Blog auch per RSS-Feed oder über die Emailfunktion  abonnieren.

 

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10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms regionaler Anästhesie