3.) Die Diagnose beim Neurologen

Nachdem nun die Symptome, wie im vorherigen Teil meines Berichtes beschrieben, so extrem wurden, entschloss ich mich, meinen Hausarzt um Rat zu fragen. Er diagnostizierte erwartungsgemäß auch auf Karpaltunnelsyndrom. Allerdings erklärte er, dass auch Bandscheibenprobleme oder Halswirbelprobleme Ursachen sein könnten.

Neurologische Untersuchung

Um abzuklären, ob es sich wirklich um eine Verengung des Karpaltunnels handelt, überwies er mich zum Neurologen. Erfreulicherweise bekam ich dort recht schnell einen Untersuchungstermin.


Bei dieser Untersuchung wird die Nervenleitgeschwindigkeit mittels Stromfluss gemessen. Man bekommt ein paar kleine Elektroden an verschiedenen Stellen der Hand aufgeklebt. Die Elektroden sind per Kabel mit einem Messgerät verbunden, das den Wert der Nervenleitgeschwindigkeit erfasst. Diese ist anhand einer Kurve und eines Wertes abzulesen. Der Neurologe erkennt anhand von Referenzwerten die Ausprägung der Erkrankung des „Nervus medianus“.
In meinem Fall waren die Werte der rechten Hand so hoch, dass er zu sofortiger Operation riet und auch mit der linken Hand solle ich nicht mehr all zulange warten.
Die Untersuchung würde ich nicht direkt  als schmerzhaft beschreiben, aber das durch den Stromimpuls ausgelöste Zucken der Finger ist auch nicht angenehm. Die Prozedur ist aber sehr schnell vorbei und es ist keinesfalls eine Untersuchung, vor der man Angst haben muss.
Mit dem Befund ging ich also wieder zurück zu meinem Hausarzt, der mir eine Einweisung ins Krankenhaus ausstellte.

 

Karpatunnelsyndrom

Das Karpalband, das bei der Operation durchtrennt wird, damit der darunterliegende Nerv wieder Platz bekommt, ist gelb markiert.

 

Exkurs: Sulcus-ulnaris-Syndrom

Als ich anlässlich der zweiten Operation, also der linken Hand, im OP-Vorgespräch im Krankenhaus erwähnte, dass mir auch ab und zu der Ringfinger und der kleine Finger einschlafen, beschloss der Arzt spontan, dass ich eine erneute Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit durchführen lassen sollte. Er erklärte mir, dass für diese beiden Finger ein anderer Nerv, der in einer Vertiefung des Ellenbogengelenks liegt, zuständig ist und man in diesem Fall von einem Sulcus-ulnaris-Syndrom spricht. Sollte sich bei der Kontrollmessung dort auch eine Verengung herausstellen, so könne man das direkt mitoperieren. Allerdings, so erklärte er mir, sei diese Operation aufwändiger und der Arm müsse dann einige Wochen geschient werden.

Darauf war ich nicht vorbereitet und ich war mir auch gar nicht sicher, ob ich das zu diesem Zeitpunkt machen lassen wollte. Dennoch wurde das Vorgespräch abgebrochen und ich begab mich erneut zum Neurologen, der mir, durch das Krankenhaus organisiert, sofort einen Termin gab. Er untersuchte ebenfalls mit der beschriebenen Methode den Nerv in der Armbeuge und auch erneut den  „Nervus medianus“ der linken Hand. Das Ergebnis war, dass der Nerv in der Armbeuge unauffällig war, dafür aber die Schädigung durch das Karpaltunnelsyndrom seit der letzten Messung, ein halbes Jahr zuvor, erheblich fortgeschritten war. Es blieb also zum Glück alles beim geplanten Operationsverlauf. Allerdings deutet das Einschlafen des kleinen und des Mittelfingers auf Halswirbelsäulenprobleme hin. Aber das ist ja ein ganz andere Baustelle.



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4.) Voruntersuchungstermin im Krankenhaus

 

5.) Der erste Tag im Krankenhaus

Im vorigen Teil meiner Artikelserien über meine Erfahrungen mit dem Karpaltunnelsyndrom habe ich über den Voruntersuchungstermin im Krankenhaus berichtet. Im folgenden fünften Teil schildere ich meine Erlebnisse am ersten Krankenhaustag.

Formalitäten

Ich hatte Order, mich um Punkt 7.30 Uhr bei der allgemeinen Krankenhausverwaltung am Tag vor dem geplanten Operationstermin einzufinden, was ich tat. Ich musste nicht warten. Die Mitarbeiterin war sehr freundlich und erledigte mit mir souverän diverse Formalitäten (Zuzahlung , Einverständniserklärung, Datenschutzerklärung, Haftungsausschluss bei Diebstahl, zu benachrichtigende Angehörige im Falle, dass… etc.) Sie erklärte mir  zum Schluss, wo die zuständige Station zu finden ist und dass ich dort bereits erwartet würde.

Empfang auf der Station

Auf der Station angekommen, wurde ich in der Tat bereits von einer Schwester namentlich begrüsst und bekam einen Fragebogen in die Hand gedrückt. Ich wurde in die Nähe eines Untersuchungszimmers platziert und gebeten den Fragebogen auszufüllen und bei dem kommenden Gespräch mit dem Arzt abzugeben. Der Fragebogen enthielt diverse Fragen zu Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand und kaum war ich fertig mit ausfüllen, wurde ich auch schon in das Untersuchungszimmer gebeten.
Hier erklärte mir nun ein freundlicher Arzt erneut den Operationsverlauf des Karpaltunnelsyndroms inklusive Risiken und Nebenwirkungen. Im Anschluss musste ich mein Einverständnis zur Operation auf dem Fragebogen per Unterschrift erklären und durfte wieder gehen.

Karpaltunnelsyndrom

Im Bild erkennt man das oberhalb vom Handgelenk querliegende Karpalband und die Nerven, die in die Finger verlaufen. Beim Karpaltunnelsyndrom sind typischerweise die Nerven in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger betroffen.

Die Krankenschwestern erwarteten mich bereits und begleiteten mich zu meinem Zimmer. Da ich gewöhnlicher Kassenpatient war, hatte ich einen Mitbewohner, der auch gerade erst angekommen war und ebenfalls am nächsten Tag operiert werden sollte. Ich war sehr angenehm darüber überrascht, dass es „nur“ ein Zweibett-Zimmer war. Da hatte ich in anderen Krankenhäusern schon ganz  anderes erlebt (vier- und fünf-Bett-Zimmer).

Die Schwester nahm sich Zeit, mit mir den Essenplan durchzugehen, wobei sie gleich klar stellte, dass ich an diesem Abend ab 22.00 Uhr nichts mehr essen und trinken dürfe und es auch am nächsten Tag, also dem Operationstag vor der Operation weder feste noch flüssige Nahrung gäbe. Ok, damit kann ich leben. Alles ist relativ, wenn man auch schon Operationen überstanden hat, vor denen man vorher abführen musste und mehrere Tage nach der Operation kaum etwas essen oder trinken durfte.

EKG und Anästhesiebesprechung

Der Essenplan war gemacht und schon wurde ich zum nächsten Termin zitiert, dem EKG. Dazu musste ich wieder „zurück auf Los“, nämlich zur allgemeinen Verwaltung. Gegenüber lag der EKG-Raum vor dem ich zu warten hatte. Man würde mich aufrufen. Ich vermute, es lag an der Mittagszeit, aber dieses mal musste ich lange warten, bis ich aufgerufen wurde, obwohl ich der einzige Patient im Wartebereich war. Das EKG selbst war in wenigen Minuten erledigt und zeigte keine Besonderheiten.

Mit diesem Ergebnis ging ich zurück zur Station, wo bereits das Mittagessen (Punkt 12.00 Uhr) auf dem Tisch stand. Nun, dieses Essen konnte ich mir natürlich noch nicht aussuchen, aber es war wohl essbar.

Nach dem Essen folgte etwas Smalltalk mit dem Zimmergenossen, der im Prinzip am gleichen Krankheitsproblem litt, jedoch nicht in den Händen, sondern in den Füssen. Eine entsprechenden Operation ist ungleich aufwändiger und man darf anschliessend mehrere Wochen mit einer Beinschiene herumlaufen.

Ein Termin stand noch aus, nämlich der mit dem Anästhesisten. Dieses Gespräch fand nun im Anästhesiebereich des Krankenhauses statt. Der Anästhesist erklärte mir noch einmal ausführlich die Betäubungsmethode, die zur Operation des Karpaltunnelsyndroms notwendig ist. Neben dem bereits bei der Voruntersuchung Erwähntem, informierte er noch darüber, dass an dem nicht operierte Arm eine Kanüle gelegt würde, die zur Versorgung mit Narkosemittel oder Medikamenten dient.
Das ist für mich immer etwas beunruhigend, weil ich weiß, dass man bei mir so schlecht geeignete Venen findet und ich immer mehrere Stechversuche über mich ergehen lassen muss.

Der Arzt legte noch fest, welche meiner eigenen Medikamente ich wann nehmen soll und erklärte mir, dass ich weitere Medikamente (Schmerzmittel Ibuprofen) vom Krankenhaus bekommen würde.
Auch hier durfte ich meine Zustimmung durch Unterschrift auf dem Aufklärungsformular erklären und war für den Rest des Tages entlassen.

Diesen restlichen Tages verbrachte ich mit Unterhaltung mit dem Zimmergenossen, Abendessen, Lesen und Wanderungen durchs Krankenhaus.


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