Endoskopische Operation des Karpaltunnelsyndroms

Das Karpaltunnelsyndrom kann entweder „offen“ oder „minimal-invasiv“  (endoskopisch) operiert werden.

Bei der minimal-invasiven Methode wird über zwei kleine Schnitte oberhalb des Handgelenks ein dünnes Operationsinstrument eingeführt. Ein weiteres Instrument hat eine Kamera durch die der Chirurg das Operationsgebiet sieht. Wie bei der offenen Operation wird das Karpalband durchtrennt, um eine Entlastung des Nerves zu erreichen. Die Durchtrennung erfolgt bei dieser Methode von unten.


Die kleinen Hautschnitte werden im Anschluss vernäht und die Hand wird mit einem gepolsterten Verband umwickelt.

Hier können Sie sich ein Video ansehen, das zwar in englischer Sprache gehalten ist, aber in Trickfilmform sehr schön die beiden üblichen Operationsmethoden verdeutlicht. Die endoskopische Operation beginnt ab ca. Minute 2.00.


9.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms unter Vollnarkose

Im letzten Artikel habe ich über einen kleinen menschlichen Zwischenfall kurz vor Beginn der Operation des Karpaltunnelsyndroms berichtet. Heute nun schildere ich, wie sich die Operation aus meiner Sicht als Patient abgespielt hat.

Die Toilettenaktion war perfektes timing, denn kaum lag ich wieder im Bett, kam auch der Startschuss zur OP. Ich wurde erneut in einen anderen Raum geschoben. Dort musste ich mein Bett verlassen und auf den daneben stehenden Operationstisch klettert. Das war nicht so einfach, weil der Operationstisch fast hüfthoch war und weil ich mich auf dem rechten, betäubten Arm nicht abstützen konnte. Aber mit einigen helfenden Händen und einer von einer Schwester erklärten Klettertechnik, gelang es letztendlich. Der Operationstisch stellte sich als derart unbequem heraus, dass ich augenblicklich Rückenschmerzen bekam, obwohl ich damit sonst kaum Probleme habe.
Nun wurde ich in den eigentlichen Operationsraum geschoben und wieder an den bereits bekannten Geräten angeschlossen. Zu meiner Linken nahm der Anästhesist platzt und an meinem rechten Arm machten sich zwei Chirurgen zu schaffen. Hand und Unterarm wurden reichlich mit Desinfektionsmittel (sehr orange!) gebadet.
Als nächstes ging es um die Fragestellung, ob die Betäubung ausreicht. Ich konnte alle Berührungen sehr deutlich spüren. Offenbar ist es aber ganz normal, dass man trotz Betäubung eine Berührungsempfindlichkeit hat.

Allerdings spürte ich auch die Schmerztests, die gemacht wurden als leichtes Picksen und das war wohl leider nicht gut. Obwohl ich heldenhaft erklärte, dass ich es aushalten würde, wenn es nicht schlimmer wird, waren die Ärzte der Meinung, dass es doch nicht ohne eine Vollnarkose gehen würde. Sie erklärten mir, wie bereits beim Narkosevorgespräch, dass sie nun eine Vollnarkose einleiten werden und dass dann zur Beatmung ein sogenannter Tubus in Mund und Hals eingeführt wird. Das kann später nach dem Aufwachen zu leichten Halsschmerzen und Heiserkeit führen.

Das Narkosemittel wurde also durch die bereits gelegte Kanüle der anderen Hand eingeleitet. Man verspürt ein merkwürdiges Kribbeln im Kopf, merkt wie die Sinne schwinden und in wenigen Sekunden ist man weg.

Meine zweite Operation (linke Hand) des Karpaltunnelsyndroms, die ich ca. sechs Monate später im gleichen Krankenhaus durchführen ließ, verlief bis zu diesem Moment etwas gleich. Dieses Mal allerdings reichte die regionale Betäubung aus und ich wurde ohne Vollnarkose operiert. Hierüber berichte ich in Kapitel 10.

 

Aufwachen!

Mexikoohoohoo, Mexiko, Mexikoooo!
„Das kenne ich, das sind die Les Humphries Singers, irgendwann Anfang der 80iger Jahre…“

Die Sonne schien mir ins Gesicht, ich fühlte mich ungewöhlich gemütlich und zufrieden und freute mich über die Musik. Dann fiel mein Blick auf eine Uhr an der Wand mir gegenüber. Kurz vor zwölf Uhr. Überraschend beugte sich eine Frau über mich und fragte, ob es mir übel sei oder ob ich Schmerzen habe. In diesem Moment wurde ich hellwach und mir war klar, dass ich mich auf der Intensivstation des Krankenhauses befand. Schmerzen hatte ich, aber nur im Rücken von dem harten Operationstisch. Meine Hand, die dick verbunden war, schmerzte überhaupt nicht. Übel war mir auch nicht, aber ich hatte einen Mordshunger. Als könne die Schwester Gedanken lesen, sagt Sie mir, dass ich mich anziehen (meine Sachen waren bereits da) und hinauf in mein Zimmer gehen könne. Das Essen sei schon da und ich solle viel trinken und etwas herumlaufen.

Dritter Verband nach Operation des Karpaltunnelsyndroms (10 Tage nach der OP)

Der erste Verbandswechsel findet am Tag nach der Operation des Karpaltunnelsyndroms statt. Danach ca. alle 5 Tage. Der Verband dient hauptsächlich als Schmutz- und Stoßschutz.


Ich fühlte mich wirklich fit und tat wie mir geheissen. Mein Zimmernachbar war inzwischen auch zur Operation gebracht worden, sodass ich den Nachmittag mit Lesen und Spazieren gehen verbrachte. Auf meinem Betttisch fand ich die angekündigten Medikamente, die ich weisungsgemäß einnahm.

An diesem Tag wurde ich noch nicht entlassen. Das hätte auch keinen Sinn gemacht, weil routinemässig am nächsten Morgen die Nachuntersuchungen der stationären Operationsfälle stattfindet und zu dieser Untersuchung hätte ich dann extra von zuhause wieder anreisen müssen.


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8.) Vorbereitungen zur Operation Teil 3 – Intermezzo
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10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms mit regionaler Betäubung

10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms mit regionaler Anästhesie

In Artikel Nr. 9 meines Berichts über die Operation des Karpaltunnelsyndroms schilderte ich den Verlauf meiner ersten Operation, der rechten Hand. Diese Operation wurde unter Vollnarkose vorgenommen, weil die regionale Betäubung des Armes nicht ausreichte.

Bei der zweiten Operation, ca. 6 Monate später, gelang aber die regionale Narkose und so konnte ich unmittelbar mit erleben, was während der Operation geschah. Wie die regionale Narkose erfolgt, können Sie  unter 7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2 – Regionale Narkose nachlesen.


Nach dem ich nun im Operationsraum lag und wieder an Blutdruckgerät etc. angeschlossen und die Hand desinfiziert war, kam es zur Überprüfung, ob die Betäubung ausreicht. Wie bereits bei der ersten Operation (der rechten Hand) konnte ich alle Berührungen sehr deutlich spüren, was normal ist. Bei den Tests auf Schmerzempfindlichkeit spürte ich jedoch, im Gegensatz zum vorigen Mal, nichts, so dass klar war, dass dieses Mal ohne Vollnarkose zur Tat geschritten werden konnte.

Es waren ein Arzt und eine Ärztin anwesend. Die Ärztin begann damit, meinen Arm mit einer Art Verband aus dickem Gummi von der Hand aus in Richtung Schulter fest einzuwickeln. Mir wurde schnell klar, dass die Ärztin noch nicht über all zu große Erfahrung verfügte, denn sie wurde ab und an von ihrem Kollegen etwas korrigiert. Am Oberarm wurde nun noch eine abbindende Manschette angebracht und die Gummiwicklung wieder entfernt. Mit dieser Technik wird erreicht, dass das Operationsgebiet möglichst blutfrei ist.
Bis dahin durfte ich mir die Vorbereitungen noch ansehen, doch dann wurde meine Sicht mit Tüchern versperrt. Es folgten noch einige Handgriffe, die ich aber nicht zuordnen könnte und dann sagte der Chirurg, „Wir beginnen jetzt mit dem Eingriff“.
Reflexartig spannte ich meine linke Schulter und somit den ganzen Arm an, obwohl ich ansonsten eigentlich ganz gelassen war. Der Operateur erklärte in ruhiger, routinierter Stimmlage, dass er jetzt den Schnitt machen würde. Das konnte ich auch spüren, aber natürlich nicht als Schmerz, sondern nur als würde mir jemand ganz leicht über die Hand streichen. Dann nahm ich wahr, dass er nun im inneren der Hand mit irgendeinem Instrument arbeitete. Er erklärte der Kollegin mit sehr gedämpfter Stimme sein Vorgehen, während ich eine gleichmäßige Hin- und Herbewegung des Scalpels spürte. Nach eine kurzen Pause wurde diese Bewegung fortgesetzt. Dieses mal aber war es ein deutliches Rupfen und Zupfen und ich erlaubte mir die Bemerkung, dass wohl jetzt jemand anderes zu Werke sei. Die beiden leugneten das zwar nicht, unterhielten sich aber fortan noch leiser, um wohl den aufmerksamen Patienten nicht weiter zu beunruhigen. Der Anästhesist, der zu meiner Rechten saß, sah sich offenbar nun veranlasst, mich durch allerlei lockere und witzige Bemerkungen vom Geschehen abzulenken. Dabei war ich kaum nervös, sondern eher interessiert. Dennoch stieg mein Blutdruck wohl etwas und der Anästhesist erklärte mir, dass er mir durch die Kanüle ein blutdrucksenkendes Medikament geben würde.


„Wir nähen jetzt zu“, hörte ich den Arzt sagen. Davon spürte ich überhaupt nichts. Ebenso war nichts vom Verbinden der Hand zu bemerken.
Ich wurde von allen  Gerätschaften befreit und wieder ins das Vorzimmer des Operationsraums geschoben und dort in mein Bett verfrachtet.
Die Operation selbst hat, wie angekündigt, ca. 10 Minuten gedauert. Ich hatte vorher noch nie eine Operation bei vollem Bewusstsein erlebt und war deshalb neugierig gespannt. Überrascht war ich davon, dass es während der Operation in den Gesprächen des anwesenden Personals recht locker zuging, während gleichzeitig aber auch konzentriert gearbeitet wurde. Es herrschte eine entspannte, lockere Atmosphäre, obwohl ich wusste, dass an diesem Tag eigentlich eine ziemliche Hektik im OP herrschte.

Nach kurzer Wartezeit im grossen Wartesaal holte mich eine Stationsschwester ab und schob mich zurück durch die Krankenhauskatakomben in mein Zimmer. Nach einer kurzen Ruhepause war meine erste Amtshandlung, mich wieder zivilisiert anzuziehen. Im Anschluss an das Mittagessen wurde die Kanüle im rechten Arm gezogen, dann kam Besuch und den restlichen Tag verbrachte ich mit Lesen und  Fernsehen.
Ich hatte keinerlei Schmerzen in der Hand und das blieb auch so.


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