10.) Offene Operation des Karpaltunnelsyndroms mit regionaler Anästhesie

In Artikel Nr. 9 meines Berichts über die Operation des Karpaltunnelsyndroms schilderte ich den Verlauf meiner ersten Operation, der rechten Hand. Diese Operation wurde unter Vollnarkose vorgenommen, weil die regionale Betäubung des Armes nicht ausreichte.

Bei der zweiten Operation, ca. 6 Monate später, gelang aber die regionale Narkose und so konnte ich unmittelbar mit erleben, was während der Operation geschah. Wie die regionale Narkose erfolgt, können Sie  unter 7.) Vorbereitungen am Operationstag Teil 2 – Regionale Narkose nachlesen.


Nach dem ich nun im Operationsraum lag und wieder an Blutdruckgerät etc. angeschlossen und die Hand desinfiziert war, kam es zur Überprüfung, ob die Betäubung ausreicht. Wie bereits bei der ersten Operation (der rechten Hand) konnte ich alle Berührungen sehr deutlich spüren, was normal ist. Bei den Tests auf Schmerzempfindlichkeit spürte ich jedoch, im Gegensatz zum vorigen Mal, nichts, so dass klar war, dass dieses Mal ohne Vollnarkose zur Tat geschritten werden konnte.

Es waren ein Arzt und eine Ärztin anwesend. Die Ärztin begann damit, meinen Arm mit einer Art Verband aus dickem Gummi von der Hand aus in Richtung Schulter fest einzuwickeln. Mir wurde schnell klar, dass die Ärztin noch nicht über all zu große Erfahrung verfügte, denn sie wurde ab und an von ihrem Kollegen etwas korrigiert. Am Oberarm wurde nun noch eine abbindende Manschette angebracht und die Gummiwicklung wieder entfernt. Mit dieser Technik wird erreicht, dass das Operationsgebiet möglichst blutfrei ist.
Bis dahin durfte ich mir die Vorbereitungen noch ansehen, doch dann wurde meine Sicht mit Tüchern versperrt. Es folgten noch einige Handgriffe, die ich aber nicht zuordnen könnte und dann sagte der Chirurg, „Wir beginnen jetzt mit dem Eingriff“.
Reflexartig spannte ich meine linke Schulter und somit den ganzen Arm an, obwohl ich ansonsten eigentlich ganz gelassen war. Der Operateur erklärte in ruhiger, routinierter Stimmlage, dass er jetzt den Schnitt machen würde. Das konnte ich auch spüren, aber natürlich nicht als Schmerz, sondern nur als würde mir jemand ganz leicht über die Hand streichen. Dann nahm ich wahr, dass er nun im inneren der Hand mit irgendeinem Instrument arbeitete. Er erklärte der Kollegin mit sehr gedämpfter Stimme sein Vorgehen, während ich eine gleichmäßige Hin- und Herbewegung des Scalpels spürte. Nach eine kurzen Pause wurde diese Bewegung fortgesetzt. Dieses mal aber war es ein deutliches Rupfen und Zupfen und ich erlaubte mir die Bemerkung, dass wohl jetzt jemand anderes zu Werke sei. Die beiden leugneten das zwar nicht, unterhielten sich aber fortan noch leiser, um wohl den aufmerksamen Patienten nicht weiter zu beunruhigen. Der Anästhesist, der zu meiner Rechten saß, sah sich offenbar nun veranlasst, mich durch allerlei lockere und witzige Bemerkungen vom Geschehen abzulenken. Dabei war ich kaum nervös, sondern eher interessiert. Dennoch stieg mein Blutdruck wohl etwas und der Anästhesist erklärte mir, dass er mir durch die Kanüle ein blutdrucksenkendes Medikament geben würde.


„Wir nähen jetzt zu“, hörte ich den Arzt sagen. Davon spürte ich überhaupt nichts. Ebenso war nichts vom Verbinden der Hand zu bemerken.
Ich wurde von allen  Gerätschaften befreit und wieder ins das Vorzimmer des Operationsraums geschoben und dort in mein Bett verfrachtet.
Die Operation selbst hat, wie angekündigt, ca. 10 Minuten gedauert. Ich hatte vorher noch nie eine Operation bei vollem Bewusstsein erlebt und war deshalb neugierig gespannt. Überrascht war ich davon, dass es während der Operation in den Gesprächen des anwesenden Personals recht locker zuging, während gleichzeitig aber auch konzentriert gearbeitet wurde. Es herrschte eine entspannte, lockere Atmosphäre, obwohl ich wusste, dass an diesem Tag eigentlich eine ziemliche Hektik im OP herrschte.

Nach kurzer Wartezeit im grossen Wartesaal holte mich eine Stationsschwester ab und schob mich zurück durch die Krankenhauskatakomben in mein Zimmer. Nach einer kurzen Ruhepause war meine erste Amtshandlung, mich wieder zivilisiert anzuziehen. Im Anschluss an das Mittagessen wurde die Kanüle im rechten Arm gezogen, dann kam Besuch und den restlichen Tag verbrachte ich mit Lesen und  Fernsehen.
Ich hatte keinerlei Schmerzen in der Hand und das blieb auch so.


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